Hintergrund: Was leistet die Corona-KiTa-Studie?

In vier Modulen erforschen DJI und RKI, welche Rolle die Kindertagesbetreuung bei der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 spielt. Erfahren Sie mehr über diese Forschungsmodule.

Mit der Corona-KiTa-Studie erforschen das Deutsche Jugendinstitut und das Robert Koch-Institut aus sozialwissenschaftlicher und medizinisch-epidemiologischer Sicht die Folgen einer Infektion mit SARS-CoV-2  für die Kindertagesbetreuung. 

Die Studie umfasst vier Module, mit denen die Kooperationspartner herausfinden wollen, wie sich die Pandemie auf die Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflege auswirkt und welche Rolle Kinder bei der Verbreitung von SARS-CoV-2 spielen. 

Die Ergebnisse der Studie liefern Entscheidungsträgern wichtige Informationen für ihre Beratungen und Beschlüsse zum Management der Corona-Krise.

Die Module: Aufbau der Corona-KiTa-Studie

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Modul I: Herausforderungen und Lösungen vor Ort

  • Wie sieht der Alltag der Kindertageseinrichtungen, der Tagespflegestellen und der Familien während der Coronapandemie aus?
  • Vor welchen organisatorischen, pädagogischen und hygienischen Herausforderungen stehen sie und welche Lösungen haben die Beteiligten entwickelt?
  • Wie arbeiten Familien und Einrichtungen zusammen?

Diesen Fragen geht das Modul CoKiss (Corona KiTa Surveys) anhand der Befragung von Kita-Leitungen, pädagogischen Fachkräften, Tagespflegepersonen und Eltern nach. Die Auswahl der Befragten erfolgte über bestehende Stichproben aus den DJI-Projekten ERiK und KiBS.

Ab September 2020 wurden die Leitungen von etwa 3.000 Kitas befragt. Die Befragung wurde nach etwa drei Monaten wiederholt. In 600 dieser Einrichtungen fanden vertiefte Befragungen von Fachkräften und Eltern statt. Mit einem ähnlichen Vorgehen werden die Erfahrungen von Kindertagespflegepersonen erfasst.

Zusätzlich wurden von Herbst 2020 bis August 2021 etwa 14.000 Eltern monatlich mit einem Online-Fragebogen zur Betreuungssituation, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen in der Familie befragt. Zu Wort kamen sowohl Eltern, deren Kinder von einer Kita oder Kindertagespflegeperson betreut wurden, als auch Eltern, die ihre Kinder selbst betreut haben.

Modul II: Entwicklung der Betreuungskapazität

  • Wie vollzieht sich die Rückkehr in den Regelbetrieb in den Kindertageinrichtungen und in der Kindertagespflege?
  • Welche Betreuungskapazitäten können die Einrichtungen anbieten?
  • Inwieweit werden Schutz- und Hygienemaßnahmen durchgeführt?
  • Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen auf Einrichtungsebene?

Antworten auf diese Fragen liefert das KiTa-Register. Sämtliche Kitas und Kindertagespflegepersonen in Deutschland waren aufgerufen, sich an wöchentlichen onlinebasierten Abfragen zu beteiligen. Ziel des Registers ist es, zeitnah und kleinräumig zu beobachten, wie sich die Pandemie auf das Betreuungsgeschehen auswirkt. 

Zusätzlich wird erfasst, wie häufig einzelne Gruppen oder ganze Einrichtungen aufgrund von COVID-19-Erkrankungen geschlossen werden müssen. 

Kitas und Kindertagespflegestellen werden dabei mit Fragen adressiert, die an die Besonderheiten der jeweiligen Betreuungsform angepasst sind.

Die Ergebnisse werden fortlaufend auf dem Dashboard der Corona-KiTa-Studie veröffentlicht. Die Erkenntnisse unterstützen Träger, Kommunen, Länder und Bund dabei, die Situation vor Ort genauer einschätzen und steuern zu können. 

Mit dem KiTa-Register wurde ein bundesweit einzigartiges Instrument aufgebaut.

Modul III: Corona KiTa Surveillance

  • Wie häufig erkranken Kinder im Kita-Alter an COVID-19?
  • Wie empfänglich sind sie für das Virus?
  • Wie schwer sind ihre Krankheitsverläufe?

Dies untersucht das Modul CATS (Corona KiTa Surveillance) anhand von Meldedaten der Gesundheitsämter zu COVID-19 sowie anhand der Syndromischen Surveillance. 

Zur Syndromischen Surveillance zählt etwa das GrippeWeb-Portal. Über dieses Portal sammelt das RKI wöchentlich Informationen zu akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) in der Bevölkerung. 

Ergänzt werden diese Daten durch Angaben zur Zahl an Arztkonsultationen sowie zur Anzahl an Patientinnen und Patienten mit ARE bzw. mit ARE in Kombination mit einer COVID-19-Diagnose von etwa 520 repräsentativ über Deutschland verteilten Haus- und Kinderarztpraxen (erhoben über SEEDARE). Zudem übermittelt eine Stichprobe von 76 Laboren in Deutschland Daten zu SARS-CoV-2-PCR-Testungen an das RKI.

Eine Übersicht über klinische und epidemiologische Forschungsansätze zu SARS-CoV-2 und COVID-19 bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland liefert die Kinder Corona Studienplattform (KiCoS), die im Rahmen von Modul III aufgesetzt wurde. Ziel ist der Austausch von Metadaten zu geplanten, laufenden und abgeschlossenen Studien zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Vernetzung der Projekte sowie Kooperationsansätze bei der Auswertung. Es werden zudem bereits veröffentlichte Studienergebnisse zur Verfügung gestellt.

KiCoS ist Teil des europäischen Datenarchivs EUDAT und wird vom RKI kuratiert.

Modul IV: Anlassbezogene Untersuchungen in Kitas

  • Wie hoch ist das Risiko einer SARS-CoV-2-Übertragung in Kita-Gruppen?
  • Welche Symptome haben infizierte Kinder über welchen Zeitraum?
  • Wie häufig treten bei Kindern SARS-CoV-2-Infektionen ohne Symptome auf?

Diesen Forschungsfragen ging das Modul COALA IV (Corona – anlassbezogene Untersuchungen in Kitas) nach. Es untersuchte in der ersten Phase der Corona-KiTa-Studie (COALA 1; Mai 2020 bis Dezember 2021) das SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen in 30 Kitas mit mindestens einem SARS-CoV-2-Fall (Anlass) aus neun Bundesländern. 

Zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 wurden in diesen Kitas die mit SARS-CoV-2 infizierten Kita-Kinder und -Beschäftigten sowie deren Kontaktpersonen in der Kita und in den Haushalten untersucht und befragt. Ihnen wurden Abstriche im Mund-/Nasenbereich (kein tiefer Rachenabstrich) sowie Speichelproben zum Nachweis einer bestehenden Infektion entnommen. Auch ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe wurde entnommen, um nach einer durchgestandenen Erkrankung die Antikörper zu messen. Die Ergebnisse von COALA 1 sind in den Monats- und Quartalsberichten zu finden.

Die Ergebnisse haben dazu beitragen, die Übertragungsrisiken für eine SARS-CoV-2-Infektion im Kita-Umfeld besser einschätzen zu können. Die Erkenntnisse zur Ansteckungsfähigkeit und zum Symptomverlauf bei einer COVID-19-Erkrankung von Kita-Kindern liefern Hinweise, wie die Betreuung und Infektionsschutzmaßnahmen in Kitas zukünftig gestaltet werden könnten.

In der Fortführung des COALA-Moduls (COALA 2; Januar bis Juni 2022) wird untersucht, ob bei Kindern, die nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert waren, länger andauernde Symptome festgestellt werden können. Zur Erfassung dieser als Post-COVID-Syndrom bezeichneten Beschwerden wurden die Familien mit Kindern im Kita-Alter (1–6 Jahre) aus COALA 1 telefonisch nachbefragt. Die Beschwerden der positiven Fälle werden mit denen von nicht infizierten Studienteilnehmenden (Kontrollgruppe) verglichen. Die Nachbefragung von COALA 2 befasst sich auch mit psychosozialen Belastungen bei Familien mit Kita-Kindern. Dazu wurden die befragten Haushalte gebeten, die Belastungen ihrer Familie während der Coronapandemie und im Alltag zu bewerten.

Einladung an alle Kitas und Tagespflegepersonen: Jetzt für die Befragung anmelden!