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Monatsbericht 09/2021: Immunitätsstatus von Kita-Beschäftigten und Eltern öffentlich betreuter Kinder

Nicht-geimpftes Kita-Personal sowie Eltern ohne Immunisierung haben mehr Angst vor einer COVID-19-Erkrankung als Geimpfte und Genesene.

Mann wurde geimpft

Anfang Juni 2021 wurde im Rahmen des KiTa-Registers (Modul II) begonnen, die Impfquote des pädagogischen Personals in den Einrichtungen zu erheben. Im KiTa-Register geben die Einrichtungsleitungen Auskunft zum Impfstatus der Beschäftigten in ihren Einrichtungen. Die CoKiss-Vertiefungsbefragung (Modul I) stellt eine interessante Ergänzung dieser Ergebnisse dar, da darin pädagogisches Personal sowie Kita-Kinder und deren Eltern direkt befragt wurden, während im KiTa-Register mittelbare Einschätzungen der Leitungen in Bezug auf die gesamte Belegschaft eingeholt werden. Seit Befragungsbeginn Anfang März 2021 wird nach einer bisherigen Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gefragt; das Thema Impfen wird seit Mitte April 2021 einbezogen – also ungefähr zwei Monate früher als im KiTa-Register. Weitere Themen der CoKiss-Vertiefungsbefragung waren die jeweils aktuelle Betreuungs- und Arbeitssituation, die eingesetzten Schutzmaßnahmen sowie Aspekte der kindlichen Entwicklung und des eigenen wie des kindlichen Wohlbefindens. 

Bei der CoKiss-Vertiefungsbefragung handelt es sich um ein einrichtungsbezogenes Instrument, das auf der ERiK-Leitungsbefragung aufbaut. Aus den ERiK-Einrichtungen, die sich an der CoKiss-Leitungsbefragung beteiligt haben, wurden 1.200 Einrichtungen zur Teilnahme an der CoKiss-Vertiefungsbefragen ausgewählt. In diesen Einrichtungen wurde das pädagogische Personal in zwei getrennten Gruppen, sogenannten Tranchen, und zu jeweils drei Messzeitpunkten im Abstand von vier bis sechs Wochen zur Teilnahme eingeladen. Das pädagogische Personal war im gesamten Befragungszeitraum impfberechtigt, nachdem im Februar 2021 die Impfreihenfolge entsprechend angepasst worden war. Insbesondere wurde das teilnehmende pädagogische Personal um Auskunft gebeten, ob sie selbst bis zum jeweiligen Befragungszeitpunkt wenigstens eine Erstimpfung gegen COVID-19 erhalten hatten. Das heißt, die Angabe schließt auch Personal mit ein, das bereits die Zweitimpfung erhalten hat. Zum ersten Messzeitpunkt wurde außerdem gefragt, ob die Teilnehmenden bereits eine COVID-19-Infektion überstanden hatten oder aktuell infiziert waren.

MB_09_2021_Immunitätsstatus des Kita-Personals erworben durch Infektion oder Impfung
Immunitätsstatus des pädagogischen Personals erworben durch Infektion (links) oder Impfung (rechts); CoKiss-Vertiefungsbefragung, Datenstand: 20.09.2021, ungewichtete Daten, Befragungszeitraum von Anfang März 2021 bis Ende Juli 2021 (KW 10–30); Angaben (links) von 1.432 pädagogisch Tätigen (1. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 10–22; Anfang März 2021 bis Anfang Juni 2021) bzw. 1.504 pädagogisch Tätigen (1. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 17–26, Anfang Mai bis Ende Juni 2021). Angaben (rechts) von 284 pädagogisch Tätigen (2. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 15–18, Mitte April 2021 bis Anfang Mai 2021) bzw. 266 pädagogisch Tätigen (3. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 18–22; Anfang Mai bis Anfang Juni 2021) bzw. 203 pädagogisch Tätigen (2. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 22–26, Anfang bis Ende Juni 2021) bzw. 183 pädagogisch Tätigen (3. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 26–30, Ende Juni 2021 bis Ende Juli 2021).

Unter dem Personal, das zum zweiten und dritten Messzeitpunkt an der CoKiss-Vertiefungsbefragung teilnahm, zeigte sich eine stetig ansteigende Impfquote von 71,5% im April 2021 auf 84,7% im Juli 2021. Im Vergleich zum KiTa-Register zeigen sich in der CoKiss-Vertiefungsbefragung dabei etwas höhere Werte. Im Bundesdurchschnitt des KiTa-Registers lag die Impfquote ab KW 26 (28.06.–04.07.2021) über 80% und seit KW 33 (16.08.–22.08.2021) bei 85%.

Die CoKiss-Vertiefungsbefragung legt nahe, dass der Zuwachs bei den Impfungen des pädagogischen Personals seit Mai 2021 an Geschwindigkeit verloren haben könnte. Während zwischen April 2021 und Mai 2021 noch ein Anstieg um fast 8 Prozentpunkte zu verzeichnen war, nahm der Anteil der Geimpften danach nur noch um 3 bzw. 2,3 Prozentpunkte zu. Damit verliefe die Entwicklung des Impfzuwachses parallel zu den bundesweiten Inzidenzwerten, was einer abflachenden Entwicklung der Impfquote entspricht. Denn im Befragungszeitraum April 2021 (KW 15–18) lag der bundesweite Wochendurchschnitt der 7-Tage-Inzidenz noch bei 151 pro 100.000 Einwohner, im Befragungszeitraum Mai 2021 (KW 18–22) hatte der Wochendurchschnitt den Wert von 76 pro 100.000 Einwohner erreicht, sank auch im Befragungszeitraum Juni (KW 22–26) kontinuierlich weiter mit einem Wochendurchschnitt von 15,2 pro 100.000 Einwohner und blieb im Befragungszeitraum Juli (KW 26–30) mit einem Wochendurchschnitt von 9,3 noch auf sehr niedrigem Niveau. Anfang Juni 2021 sorgte auch die Aufhebung der Impfpriorisierung für veränderte Rahmenbedingungen, sodass pädagogisches Personal zumindest anfänglich im Juni und Juli 2021 mit einer deutlich erhöhten Personengruppe um Impftermine konkurrieren musste. 

In der ersten Tranche, die sich über den Zeitraum März 2021 bis Mai 2021 erstreckte, gaben insgesamt 5,9% des befragten pädagogischen Personals an, dass sie zum oder vor dem Zeitpunkt der Befragung an COVID-19 erkrankt waren. Die zweite Tranche deckte den Zeitraum Mai/Juni 2021 ab; hier lag der Anteil der (zukünftig) Genesenen unter dem befragten pädagogischen Personal bei 8,6%, möglicherweise als Nachhall der dritten Welle mit Scheitelpunkt im April 2021. In Bezug auf den bevölkerungsweiten Anteil der Infizierten und Genesenen, welcher auf Basis der vom Robert Koch-Institut veröffentlichen Meldezahlen und Daten des Statistischen Bundesamtes berechnet werden kann, zeigte sich dagegen eine kontinuierliche Zunahme zwischen Anfang März 2021 und Mitte Mai 2021 ausgehend von einem Wochendurchschnitt von 3,0% in KW 10 (08.03.–14.03.2021) hin zu 4,3% in KW 20 (17.05.–23.05.2021). Danach blieb der Anteil der Infizierten und Genesenen in der Gesamtbevölkerung über mehrere Wochen nahezu unverändert und lag zum Ende des Befragungszeitraums in KW 26 (28.06.–04.07.2021) bei 4,4%. Die Zahlen legen nahe, dass der Anteil der Genesenen unter dem Kita-Personal vermutlich höher ist als in der Gesamtbevölkerung.

Immunitätsstatus bei Eltern von Kita-Kindern zwischen März bis Juli 2021

Zusätzlich zum pädagogischen Personal wendete sich die CoKiss-Vertiefungsbefragung auch an die Eltern aus den teilnehmenden Einrichtungen und befragte auch sie zum Thema Impfen und zu einer bisherigen COVID-19-Erkrankung.

Mit Blick auf die Immunität durch Infektion (zwei Balken in hellblau und gelb in der unteren Grafik) zeigt sich deutlich, dass die Anteile der aktuell Erkrankten oder Genesenen unter den Eltern der CoKiss-Befragung mit 3,1% in der ersten und 5,8% in der zweiten Tranche geringer ausfielen als unter dem pädagogischen Personal. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der Impfstart für das pädagogische Personal bereits im Februar 2021 erfolgt war, also vier Monate vor Aufhebung der Impfpriorisierung Anfang Juni 2021. Im Vergleich zum Anteil der Infizierten und Genesenen in der Gesamtbevölkerung lag der Anteil der befragten Eltern in der CoKiss-Vertiefungsbefragung im Befragungszeitraum der zweiten Tranche etwas darüber. Zum Ende des Befragungszeitraums in KW 21 (24.05.–30.05.2021), lag der Anteil im Wochendurchschnitt bei 4,3%, zum Ende des Befragungszeitraums in KW 26 (28.06.–04.07.2021) bei 4,4%.

MB_09_2021_Immunitätsstatus der Eltern erworben durch Infektion oder Impfung
Immunitätsstatus der Eltern erworben durch Infektion (links) oder Impfung (rechts); CoKiss-Vertiefungsbefragung, Datenstand: 20.09.2021, ungewichtete Daten, Befragungszeitraum von Anfang März 2021 bis Ende Juli 2021 (KW 10–30); die Informationen zum Genesenenstatus (links) beziehen sich auf Angaben von 3.382 Eltern (1. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 10–22; Anfang März 2021 bis Anfang Juni 2021) bzw. 3.135 Eltern (1. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 17–26, Anfang Mai bis Ende Juni 2021); die Informationen zum Impfstatus (rechts) beziehen sich auf Angaben von 1.527 Eltern (2. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 15–18, Mitte April 2021 bis Anfang Mai 2021) bzw. 1.308 Eltern (3. Messzeitpunkt, 1. Tranche, KW 18–22; Anfang Mai bis Anfang Juni 2021) bzw. 1.240 Eltern (2. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 22–26, Anfang bis Ende Juni 2021) bzw. 1.041 Eltern (3. Messzeitpunkt, 2. Tranche, KW 26–30, Ende Juni 2021 bis Ende Juli 2021).

Bei den Impfungen der Eltern bildet die CoKiss-Vertiefungsbefragung einen sehr starken Impfzuwachs zwischen April 2021 und Juli 2021 von zunächst 19,6% auf zuletzt 77% ab. Anders als das pädagogische Personal dürften viele Eltern erst durch die Aufhebung der Impfpriorisierung Anfang Juni 2021 Zugang zur Impfung erhalten haben. Der sehr deutliche lineare Trend in der Impfquote der Eltern über die Zeit spiegelt diese regulatorischen Rahmenbedingungen deutlich wider. Im Juli 2021 lagen die befragten Eltern der CoKiss-Vertiefungsbefragung aber noch um fast 8 Prozentpunkte hinter dem pädagogischen Personal zurück. Im Vergleich dazu lag in KW 30 (bis zum Impftag 27.07.2021), also zum Ende des Befragungszeitraums Juli 2021, die Impfquote der mindestens einmal Geimpften in der Gesamtbevölkerung bei 61,1%. Dies entspricht auch in etwa dem Anteil der mindestens einmal Geimpften bei den Erwachsenen unter 60 Jahren.

Immunitätsstatus und Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus

Zusätzlich zu den Fragen zum Immunitätsstatus wurden in der CoKiss-Vertiefungsbefragung auch Fragen zur Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 gestellt. Es wurde erfasst, inwiefern die befragten Eltern und das pädagogische Personal Angst haben, sich selbst mit dem Coronavirus zu infizieren. Dabei wurde die Ansteckungsangst innerhalb der Kita und außerhalb der Kita getrennt erfragt.

Für die Stichprobe der Eltern wurde die Angst vor Ansteckung bereits einmal mit Daten der ersten Tranche der CoKiss-Vertiefungsbefragung ausgewertet. Bei Eltern mit Immunisierung (d. h. geimpft oder genesen) war die Angst, sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kita anzustecken, geringer ausgeprägt als bei den Eltern ohne Immunisierung. Dabei war unabhängig vom Immunitätsstatus die Angst vor einer Ansteckung in der Kita geringer ausgeprägt als die Angst vor Ansteckung in anderen Lebensbereichen außerhalb der Kita. Dasselbe Muster findet sich auch erneut in den Daten des dritten und letzten Messzeitpunkts (über beide Tranchen zusammengefasst).

Für das pädagogische Personal zeigt sich erwartungsgemäß ein anderes Muster beim Vergleich der Lebensbereiche in und außerhalb der Kita als bei den Eltern. Deutlich mehr als die Hälfte des befragten Personals gab an, wenig oder sehr wenig Angst vor Ansteckung in den beiden Lebensbereichen zu haben. Damit lag das Kita-Personal für den Lebensbereich außerhalb der Kindertagesstätte zwar in etwa gleichauf mit den befragten Eltern; für den Lebensbereich in der Kita gab aber deutlich weniger Personal eine (sehr) geringe Angst vor einer Ansteckung an als unter den Eltern. Dies lässt sich damit erklären, da pädagogisch Beschäftigte – anders als die Eltern – einen Großteil ihrer Zeit innerhalb der Kindertagesstätte verbringen. Gleichzeitig berichtete für den Lebensbereich in der Kita ungefähr ein Fünftel des pädagogischen Personal große oder sehr große Angst vor Ansteckung. Auch dieses Ergebnis steht im Einklang mit den Gegebenheiten des Kita-Alltags, lassen sich Schutzmaßnahmen im Umgang mit Kindern wesentlich schwerer umsetzen als im Umgang mit Erwachsenen.

MB_09_2021_Einschätzung der Eltern und des pädagogischen Personals zu ihrer Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren
Einschätzung der Eltern und des pädagogischen Personals zu ihrer Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, auf einer Skala von 1 „Sehr wenig Angst“ bis 5 „Sehr große Angst". Darstellung differenziert nach dem Immunitätsstatus. CoKiss-Vertiefungsbefragung, Datenstand: 20.09.2021, ungewichtete Daten, Befragungszeitraum von Mai 2021 bis Juli 2021 (KW 18–31). Angaben von 2.038 Eltern (3. Messzeitpunkt, 1. und 2. Tranche, KW 18–31; 1.208 Eltern mit und 830 Eltern ohne Immunitätsstatus) bzw. 438 pädagogischen Mitarbeitenden (3. Messzeitpunkt, 1. und 2. Tranche, KW 18–30; 364 Mitarbeitende mit und 74 Mitarbeitende ohne Immunitätsstatus). Es ist jeweils die prozentuale Verteilung aller Stufen der Ansteckungsangst dargestellt.

Der Vergleich zwischen Personal mit und ohne Immunität ist nur unter Vorbehalt möglich, da in der Gruppe des nicht immunisierten Personals die Fallzahl – nicht zuletzt dank der hohen Impfquote – recht gering ausfällt, was die Aussagekraft der Ergebnisse stark einschränkt. Es deuten sich jedoch zwei interessante Tendenzen an: Beim pädagogischen Personal ohne Immunität durch Impfung oder Genesung besteht demnach im Vergleich zum geimpften oder genesenen Personal sowohl mehr als auch weniger Ansteckungsangst. Der Anteil des Personals mit sehr großer Angst vor Ansteckung ist in der Gruppe ohne Immunität einige Prozentpunkte höher als in der Gruppe mit Immunität, sowohl in der Kita (12% vs. 8%) als auch außerhalb der Kita (6% vs. 3%). In ähnlicher Größenordnung unterscheiden sich die beiden Gruppen bezüglich des Anteils mit wenig oder sehr wenig Angst vor Ansteckung. Die geringere Ansteckungsangst unter Nicht-Geimpften und Nicht-Genesenen mag im ersten Augenblick erstaunen. Doch lassen sich auch einige objektive Gründe anführen, die eine geringe subjektive Risikobewertung in der Kita begründen können. Zu nennen ist zum einen die allgemein hohe Impfquote des pädagogischen Personals, durch die auch Personal ohne Immunität mitgeschützt wird. Zum anderen zeigten bisherige Auswertungen eine hohe Umsetzung organisatorischer und verhaltensbasierter Schutzmaßnahmen in vielen Einrichtungen.

In der Tat lässt sich in der Gruppe des weder geimpften noch genesenen Personals ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Angst, sich in der Kita mit SARS-CoV-2 anzustecken, und der Einschätzung zur Umsetzung empfohlener Schutzmaßnahmen durch Kolleginnen und Kollegen aber auch durch Kinder ab 3 Jahren erkennen. Eine häufigere Umsetzung der empfohlenen Schutzmaßnahmen geht dabei mit einer geringeren Ansteckungsangst einher.