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KiBS-Elternbefragung und CoKiss-Vertiefungsbefragung: Angst der Eltern vor einer Ansteckung mit COVID-19 in Bezug auf sich selbst und auf ihre Kinder

Je nach Betreuungssituation unterscheidet sich die empfundene Angst der Eltern vor einer COVID-19-Erkranung ihres Kindes

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Einschränkungen von Sozialkontakten, Auswirkungen auf die Kinderbetreuung und eine veränderte Alltagsorganisation sind nur ein paar Beispiele dafür, welche Auswirkungen die Coronapandemie auf das Zusammenleben vieler Familien hatte und teils noch hat. Für viele Eltern brachte die Pandemie auch die Angst mit sich, sich selbst mit dem Virus zu infizieren oder die Sorge, weitere Familienmitglieder könnten sich infizieren. Die Befürchtung vor einer Ansteckung kann dabei das Wohlbefinden der Eltern einschränken und zu allgemeinen Angst- und Depressionssymptomen führen. Die Angst der Eltern kann sich auch auf die Kinder übertragen und bei ihnen ebenfalls die Angst vor COVID-19 schüren. Somit sind das Wohlergehen und das Ausmaß der empfundenen Angst der Eltern vor einer Ansteckung richtungsweisend für den Umgang der Pandemie in der gesamten Familie und letztlich auch für das kindliche Wohlbefinden.

Aus diesem Grund ist es wichtig, die elterliche Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 in den Blick zu nehmen, um einen Gesamteindruck zu erhalten, wie es Familien im Rahmen der Pandemie geht. Dafür wird auf insgesamt zwei Fragen aus der Elternbefragung zurückgegriffen:

(1) inwiefern die befragten Eltern Angst haben, sich selbst mit COVID-19 zu infizieren und

(2) inwiefern sie befürchten, dass das Kind an COVID-19 erkranken könnte.

Für die Betrachtung der Ansteckungsangst für sich selbst aber auch für das eigene Kind über den bisherigen Erhebungszeitrum wird noch einmal in die bereits vorgestellten Elterngruppen unterschieden:

(1) Eltern, deren Kind die KiTa besuchen konnte,

(2) Eltern, deren Kind aufgrund der Coronapandemie zeitweise zu Hause blieb und nicht in der KiTa betreut werden konnte, die aber grundsätzlich eine Platzbuchung haben,

(3) Eltern, deren Kind grundsätzlich nicht öffentlich betreut wird.

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Einschätzungen der Eltern zu ihrer Angst, dass ihr Kind sich in und außerhalb der Kindertagesbetreuung mit dem Coronavirus infiziert, auf einer Skala von 1 „Sehr wenig Angst“ bis 5 „Sehr große Angst". Befragungszeitraum von KW 45–22; 02.11.2020–06.06.2021. KiBS-Elternbefragung, Datenstand: 28.06.2021, ungewichtete Daten. Darstellung differenziert danach, ob das Kind öffentlich betreut wurde. Die Informationen beziehen sich auf Angaben von insgesamt 8.917-5.215 Eltern. Das Ausmaß der Ansteckungsangst beruht jeweils auf den berechneten Mittelwerten.


Unabhängig davon, ob das Kind in einer Kindertagesbetreuung betreut wurde oder nicht, berichteten Eltern über den gesamten bisherigen Studienzeitraum hinweg von einer leichten Angst, dass sich ihr Kind anstecken könnte. Die größte Besorgnis vor einer Ansteckung des Kindes außerhalb der Kindertagesbetreuung lässt sich dabei für die Elterngruppe ausmachen, deren Kind aufgrund der Coronapandemie zeitweise gänzlich auf die Betreuung in der Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflegestelle verzichten musste. Eltern, deren Kind im bisherigen Studienzeitraum öffentlich betreut wurde, beschrieben ihre Angst, ihr Kind könnte sich mit COVID-19 infizieren, als gering bis mäßig. In dieser Elterngruppe fiel insbesondere die Sorge vor einer Ansteckung des Kindes mit dem Coronavirus innerhalb der Kindertagesbetreuung höher aus, als die Befürchtung vor einer Ansteckung des Kindes außerhalb der KiTa.

Mit Blick auf die verschiedenen Betreuungsgruppen fällt auf, dass insbesondere Eltern, deren Kind coronabedingt zeitweise nicht in die Kindertagesbetreuung ging, tendenziell ängstlicher waren als die anderen Elterngruppen. Insgesamt stuften die befragten Eltern ihr Angstempfinden, sich selbst mit COVID-19 zu infizieren, als gering bis mittelmäßig ein.

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Bewertung der Eltern zu ihrer Angst sich selbst mit dem Coronavirus zu infizieren auf einer Skala von 1 „Sehr wenig Angst“ bis 5 „Sehr große Angst". Befragungszeitraum von KW 45–22; 02.11.2020–06.06.2021. KiBS-Elternbefragung, Datenstand: 28.06.2021, ungewichtete Daten. Darstellung differenziert danach, ob das Kind öffentlich betreut wurde. Die Informationen beziehen sich auf Angaben von insgesamt 8.917-5.215 Eltern. Das Ausmaß der Ansteckungsangst beruht jeweils auf den berechneten Mittelwerten.

Werden die Veränderungen in der Ansteckungsangst im Zeitverlauf (bezogen auf das Kind und hinsichtlich der eigenen Ansteckungsangst der Eltern) verglichen, fällt auf, dass Veränderungen in der Befürchtung vor einer Ansteckung vor dem Hintergrund des allgemeinen Pandemiegeschehens verstanden werden können. Vor allem im Zeitraum der dritten Befragung von Anfang Januar bis Anfang Februar 2021 (KW 1–KW 5), die in den allgemeinen zweiten Lockdown fiel, zeigt sich, dass die Angst vor einer Coronainfektion (die eigene Angst sowie die Angst, das Kind könnte sich infizieren) insgesamt für alle Eltern leicht abnahm. Zu diesem Zeitpunkt galten strenge Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, woraufhin viele Familien bspw. ihre Kontakte zu Freunden, Bekannten und Verwandten deutlich minimierten. Auch wenn es sich dabei um eine schwierige Phase der größeren sozialen Isolation handelte, trugen diese unterschiedlichen Schutzmaßnahmen und dadurch reduzierten Ansteckungsmöglichkeiten insgesamt zu einer geringeren Sorge der Eltern vor einer SARS-Cov-2-Infektion bei.

CoKiss-Vertiefungsbefragung: Angst der Eltern vor einer SARS-CoV-2-Infektion in und außerhalb der Kita nach Immunitätsstatus

Die Vertiefungsbefragung ist ein einrichtungsbezogenes Instrument, das auf der ERiK-Leitungsbefragung aufbaut. Hierfür wurden in ausgewählten Einrichtungen, die sich an der CoKiss-Leitungsbefragung beteiligt haben, auch Eltern befragt, deren Kinder die jeweilige Einrichtung besuchen. Die Stichprobe stellt folglich auf Einrichtungsebene einen Teil der Gesamtstichprobe aus der CoKiss-Leitungsbefragung dar. Die Vertiefungsbefragung umfasst dabei drei Erhebungszeiträume und zwei Tranchen. Die erste Tranche schließt den Zeitraum von Anfang März bis Anfang Juni 2021 (KW 10–KW 22) ein und ist bereits abgeschlossen. Bei der zweiten Tranche war zum Zeitpunkt des Datenabzugs Anfang Juni der erste Befragungszeitraum abgeschlossen. Die Fragen zur Ansteckungsangst sind im zweiten sowie im dritten Erhebungszeitraum enthalten, sodass aktuell nur Ergebnisse für die erste Tranche berichtet werden können.

Zusätzlich zu den Fragen zur Ansteckungsangst wurden auch Fragen gestellt, die Rückschlüsse auf den Immunitätsstatus der befragten Eltern und ihrer Kinder zulassen. Einerseits berichteten die Eltern, ob sie oder ihr Kind bereits an COVID-19 erkrankt waren, andererseits machten sie Angaben zu ihrem Impfstatus sowie zum Impfstatus ihres Kindes. Es ist zu beachten, dass zum Zeitpunkt der Befragungen (KW 15–KW 18 bzw. KW 18–KW 22, d. h. Mitte April bis Anfang Juni 2021) kein Impfstoff für Kinder im Alter von 0 bis 6 bzw. 7 Jahren zugelassen war. Sowohl Eltern als auch Kinder können anhand der gemachten Angaben in zwei Gruppen unterteilt werden:

(1) ohne Immunität (d. h. weder geimpft noch genesen) und

(2) mit Immunität (d. h. mindestens einmal geimpft oder genesen).

Da sowohl die Immunisierung durch einen der zugelassenen Impfstoffe, als auch die Immunisierung nach einer überstandenen COVID-19-Infektion einen hohen Schutz vor einer (weiteren) Ansteckung bieten, ist davon auszugehen, dass auch die berichtete Angst vor einer Ansteckung vom Immunitätsstatus beeinflusst wird.

Die Angst der Eltern vor eigener Ansteckung nach Lebensbereich und Immunitätsstatus

Die Eltern ohne Immunisierung (d. h. weder geimpft noch genesen) hatten in beiden Befragungszeiträumen größtenteils sehr wenig Angst vor einer Ansteckung in der Kita, wobei sich nahezu keine Veränderung im Zeitverlauf zeigte (jeweils ca. 60% der befragten Eltern mit sehr wenig Angst, zzgl. ca. 20% mit wenig Angst). Anders bei der Frage nach der Ansteckungsangst in anderen Lebensbereichen. Hier lag der Anteil der Eltern, die wenig oder sehr wenig Angst berichteten, zusammen zunächst bei 50% im Zeitraum von Mitte April bis Anfang Mai 2021 und dann bei 56% im Zeitraum von Anfang Mai bis Anfang Juni 2021. Dass die Angst der Eltern, sich in anderen Lebensbereichen anzustecken, im Gegensatz zu ihrer Angst sich in der Kita anzustecken größer ist und über die Zeit leicht zunahm, lässt sich dabei in einen logischen Zusammenhang mit Ergebnissen der Leitungsbefragung zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen in Kitas bringen. Denn in einem Großteil der Einrichtungen betreten Eltern die Kita schon seit der zweiten Pandemiewelle im Herbst/Winter 2020 nicht mehr und haben somit in vielen Fällen nahezu keine Risikokontakte innerhalb der Kita.

Die Gruppe der Eltern ohne Immunisierung schloss dabei im Erhebungszeitraum von Mitte April bis Anfang Mai 2021 79% der Stichprobe (entspricht 1.201 Eltern) ein (21% geimpft oder genesen, entspricht 319 Eltern), und verringerte sich zum Erhebungszeitraum von Anfang Mai bis Anfang Juni 2021 auf 60% (entspricht 787) der befragten Eltern (40% geimpft oder genesen, entspricht 518 Eltern). Diese Veränderung ist in erster Linie auf eine Erhöhung der Impfrate unter den Eltern zurückzuführen.

In der Gruppe der Eltern mit Immunisierung (d. h. geimpft oder genesen) war die Angst sich sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kita anzustecken geringer ausgeprägt als in der Gruppe der Eltern ohne Immunisierung. Bei der Ansteckungsangst in anderen Lebensbereichen als der Kita zeigte sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied zwischen den Eltern mit und ohne Immunisierung. Dabei berichtete sowohl im April/Mai 2021 als auch im Mai/Juni 2021 jeweils ungefähr ein Drittel der befragten Eltern von sehr wenig Ansteckungsangst und ein weiteres Drittel von wenig Ansteckungsangst außerhalb der Kita. Im Zeitverlauf war hier ein Anstieg um wenige Prozentpunkte zu beobachten.

Es zeigt sich deutlich, dass die befragten Eltern die Kita im Vergleich zu anderen Lebensbereichen weniger als einen Ort mit Ansteckungsrisiko wahrnahmen. Geimpfte oder genesene Eltern verspürten nach eigenen Angaben allerdings für beide Lebensbereiche (in der Kita und anderswo) und in beiden Erhebungszeiträumen (April/Mai und Mai/Juni 2021) weniger Angst als Eltern ohne Immunisierung.

Die Angst der Eltern vor einer Ansteckung ihres Kindes nach Lebensbereich und Immunitätsstatus

Bei Kindern ohne Immunität (d. h. nicht geimpft und nicht genesen) hatten die befragten Eltern jeweils größere Angst davor, ihr Kind könnte sich in der Kita anstecken als an anderen Orten. Im Zeitverlauf zeigt sich jedoch in dieser Gruppe ein Rückgang in der elterlichen Angst vor einer Ansteckung des Kindes. Dies gilt sowohl für den Lebensbereich Kita als auch für andere Lebensbereiche. Im Befragungszeitraum Mai/Juni 2021 gaben 48% der befragten Eltern an, sehr wenig oder wenig Angst vor einer Ansteckung ihres nicht immunisierten Kindes in der Kita zu haben (44% im April/Mai 2021), während 23% sehr große oder große Angst davor hatten (29% im April/Mai 2021). Eine Ansteckung des Kindes außerhalb der Kita fürchteten 58% wenig oder sehr wenig (56% im April/Mai 2021), 18% gaben sehr große oder große Ansteckungsangst an (21% im April/Mai 2021). Diese Verringerung der Ansteckungsangst in Bezug auf das eigene nicht immunisierte Kind erfolgte parallel zum bundesweiten Abwärtstrend der 7-Tage-Inzidenz. Während des Befragungszeitraums im April/Mai 2021 lag die 7-Tage-Inzidenz im Wochendurchschnitt bundesweit noch bei 151, während sie im Befragungszeitraum Mai/Juni 2021 einen Wochendurchschnitt von 76 erreichte und sich zusätzlich der klare, immer noch anhaltende Abwärtstrend bereits verfestigt hatte.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die befragten Eltern bei ihren Kindern größere Angst vor einer Ansteckung in der Kita hatten als vor einer Ansteckung an anderen Orten. In Bezug auf sich selbst war das Gegenteil der Fall. Die befragten Eltern fürchteten sich eher vor einer Ansteckung an anderen Orten als vor einer Ansteckung in der Kita.