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Die Corona-KiTa-Studie in Zeiten geringer Neuinfektionen

Den KiTa-Register-Daten zufolge nähert sich seit einigen Wochen die Auslastung der KiTas dem Niveau vor der Pandemie. Doch ein erneutes Ansteigen der Infektionszahlen und die Ausbreitung von besorgniserregenden Virusmutationen wie der Delta-Variante zeigen, dass die Coronapandemie noch nicht überwunden ist.

Warum eine Teilnahme am KiTa-Register trotz Normalbetriebs weiterhin wichtig ist.

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Mit dem Ausbruch der Coronapandemie Anfang 2020 in Deutschland stellte sich bald die Frage, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des neuartigen SARS-CoV-2-Virus einnehmen und wie eine COVID-19-Erkrankung bei ihnen verläuft. Um das herauszufinden, nahm Ende August 2020 die gemeinsam vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführte Corona-KiTa-Studie ihre Forschungsarbeit auf. In vier Modulen wurden seitdem Daten zum Infektionsgeschehen in Kindertageseinrichtungen (Kitas) und in Kindertagespflegestellen erhoben. Im Rahmen des KiTa-Registers (Modul II) werden wöchentlich alle teilnehmenden Kitas und Kindertagespflegepersonen (gemeinschaftlich als KiTas bezeichnet) gebeten, u. a. Angaben zum Öffnungs- und Schließgeschehen, zur Anzahl der betreuten Kinder, der Umsetzung von Schutzmaßnahmen, zum Einsatz des pädagogischen Personals sowie zu Verdachts- und Infektionsfällen abzugeben.

Diese Informationen waren zu Beginn der Pandemie wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen, um Kinder, ihre Familien und natürlich die pädagogisch Tätigen in Kitas und in der Kindertagespflege zu schützen. Als erstes und bislang einziges Register umfasst das KiTa-Register eine bundesweite und regionale Übersicht zur wöchentlichen Auslastung, zu Gruppenkonzepten, derzeitigen Beschäftigtenzahlen aller gemeldeten Einrichtungen und Tagespflegestellen. Damit nimmt das KiTa-Register einen bedeutenden Stellenwert in der Darstellung des Pandemiegeschehens in der Kindertagesbetreuung ein. Dementsprechend konstatiert Dr. Susanne Kuger, Projektleiterin der Corona-KiTa-Studie am DJI: „Der bisherige Studienverlauf hat gezeigt, dass das KiTa-Register bei ausreichend guter wöchentlicher Teilnahme durchaus belastbare Daten liefert, die sowohl zur Berichterstattung als auch zur Ableitung von Empfehlungen herangezogen werden können.“

Den KiTa-Register-Daten zufolge nähert sich seit einigen Wochen die Auslastung der KiTas dem Niveau vor der Pandemie. Doch ein erneutes Ansteigen der Infektionszahlen und die Ausbreitung von besorgniserregenden Virusmutationen wie der Delta-Variante zeigen, dass die Coronapandemie noch nicht überwunden ist. Dementsprechend gilt es weiter zu erforschen, inwieweit diese Entwicklungen mit dem Wohlbefinden, den Bedarfen und dem (Berufs-)Alltag der Kinder, Eltern und des pädagogischen Fachpersonals sowie dem Öffnungsgeschehen der KiTas zusammenhängen. Dies gelingt nur mit Weiterführung der wöchentlichen Umfragen trotz Regelbetriebs und derzeit niedrigen Infektionszahlen in KiTas – und besonders mithilfe einer breiten Beteiligung von Kita-Beschäftigten und Kindertagespflegepersonen.

Infektionsschutz in KiTas kann durch Befragungsergebnisse verbessert werden

Das Coronavirus – samt seinen Mutationen – wird auch weiterhin existieren. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus wahrscheinlich, dass einzelne Hygiene- bzw. Schutzmaßnahmen in Settings der Kindertagesbetreuung zum Schutz ungeimpfter Gruppen aufrechterhalten werden müssen. Die weitere Beobachtung des Umsetzungsgrads dieser Handlungsweisen ist daher von großer Bedeutung und könnte etwa durch Aufklärungsarbeit zur Einhaltung von Maßnahmen begleitet und zeitlich sinnvoll abgestimmt werden. Bisher konnte nachgewiesen werden, dass feste Gruppenstrukturen die Infektionszahlen innerhalb der Kindertagesstätten verringert haben. Durch die Weiterführung der Befragungen kann zusätzlich herausgefunden werden, ob ggf. weitere Maßnahmen notwendig sind – wie bspw. die Ausstattung der Aufenthaltsräume mit Luftfiltern. Mit diesem Wissen lässt sich der Infektionsschutz verbessern und Kinder sowie Beschäftigte effizienter schützen.

Darüber hinaus kann das KiTa-Register dazu genutzt werden, auch langfristige Folgen der Pandemie zu erforschen. So könnte etwa die bestehende Abfrage zum pandemiebedingten Personalausfall spezifiziert werden, um mögliche Ausfälle durch „Long-COVID“-Erkrankungen zu erfassen.

Verdachts- und Infektionsfälle wird es weiterhin geben

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, fanden die AHA+L-Regeln schnell Einzug in unser Alltagsleben. Für die meisten KiTas gehörten jedoch regelmäßiges Lüften und gründliches Händewaschen bereits vor der Pandemie zur Routine. Im Gegensatz dazu waren sowohl das Abstandhalten als auch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in diesem Bereich schwieriger umzusetzen. Eine fürsorgliche Kindertagesbetreuung lässt sich nur mit Nähe und Zuwendung gestalten. Ebenso ist für Kinder das Erkennen von Mimik von großer Bedeutung. Die Mehrheit der Kitas hat schnell reagiert und ihr Betreuungskonzept auf feste Gruppenstrukturen umgestellt, um somit der Virusausbreitung entgegenzuwirken. Hinsichtlich des Infektionsschutzes ist dies einer von vielen wichtigen Bausteinen.

Ein weiterer dieser Bausteine ist die Corona-Schutzimpfung. Die zweifache Impfung mit den bislang zugelassenen Vakzinen gilt als sichere Methode, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen und schweren bis tödlichen Verläufen einer COVID-19-Infektion vorzubeugen. Da die Einhaltung der Schutzmaßnahmen für die Beschäftigten in diesem Berufsfeld nicht durchgehend möglich ist, haben der Bundesgesundheitsminister und die Gesundheitsminister/Innen der Länder im Februar 2021 u. a. beschlossen, ebenfalls Erzieher/Innen und Kindertagespflegepersonen in die Impfprioritätsstufe 2 aufzunehmen. Um die Ausbreitung des Coronavirus auch unter der jüngeren Bevölkerung einzudämmen, wird viel über die Impfung von Kindern diskutiert. Sollte für diese Altersgruppe ein Impfstoff verfügbar sein, kann analog zu den KiTa-Beschäftigten auch der Impffortschritt von KiTa-Kindern anhand des KiTa-Registers beobachtet werden. Entsprechende Daten zum Impffortschritt können in der Folge mit weiteren Daten des KiTa-Registers in Beziehung gesetzt werden. Gegenwärtig ist das Thema Impfung nicht Bestandteil der wöchentlichen Befragung. Bei Bedarf kann das KiTa-Register jedoch entsprechend ergänzt werden. Pandemierelevante Fragen wie etwa, inwieweit der Impffortschritt unter KiTa-Kindern und KiTa-Beschäftigten mit der Entwicklung von Infektionsfällen in Kitas und Tagespflegestellen zusammenhängt, könnten mithilfe des KiTa-Registers beantwortet werden.  

Da nicht überall die AHA+L-Regeln eingehalten werden (können) und sich nicht jede/r gegen das Coroanvirus impfen lassen möchte bzw. kann, wird es weiterhin zu Verdachts- und Infektionsfällen sowohl bei (noch nicht geimpften) pädagogisch Beschäftigten als auch bei den KiTa-Kindern (und ggf. ihren Eltern) kommen. Durch die Weiterführung des KiTa-Registers lassen sich künftige SARS-CoV-2-Infektionen von Kindern, Eltern sowie Beschäftigten in Kitas und Tagespflegestellen fortlaufend beobachtet und mit weiteren Daten der Gesundheitsberichterstattung in Beziehung setzen. „Damit in Zukunft der Gesundheitsschutz in KiTas eine noch größere Aufmerksamkeit erhält, braucht es verlässliche Daten. Und diese erhalten wir im besten Falle aus der Praxis“, so DJI-Wissenschaftlerin Dr. Susanne Kuger.

Mit Ihrer Unterstützung der Corona-KiTa-Studie durch Ihre wöchentliche Teilnahme am KiTa-Register haben Sie uns bereits sehr geholfen, den Pandemieverlauf in der Kindertagesbetreuung umfangreich darzustellen. Sie haben ebenfalls dazu beigetragen, dass Ihre enormen Leistungen während dieser Pandemie von Politik und Öffentlichkeit gesehen und anerkannt wurden. Lassen Sie uns nun gemeinsam daran arbeiten, um auf diese Erfolge weitere folgen zu lassen. Helfen Sie uns, sich selbst sowie Ihren Kolleginnen und Kollegen von heute und morgen diesen so wertvollen Beruf sicherer zu machen. Mit Ihrer Teilnahme am KiTa-Register können wir etwas bewegen!

 

Sie sind noch nicht im KiTa-Register angemeldet und möchten uns mit Ihrer Teilnahme unterstützen? Sehr gerne! Hier können Sie sich schnell und unkompliziert registerieren

Sie haben Fragen zur Studie? Auf unserer Studienseite sowie in unserem FAQ-Bereich finden Sie alle Infos rund um die Studie und zur wöchentlichen Befragung im KiTa-Register.

Gerne können Sie uns auch Ihr Anliegen per Mail an info@corona-kita-studie.de zukommen lassen.