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CoKiss-Leitungsbefragung und KiBS-Elternbefragung: Digitale Kommunikation zw Kitas und Eltern

Die Pandemie hat teils digitale Innovationen begünstigt, diese sind jedoch noch nicht überall umsetzbar.

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Die Daten der CoKiss-Leitungsbefragung erstrecken sich über den Zeitraum Oktober 2020 bis April 2021 (Stand Mai 2021). In diesem Zeitraum führten das Pandemiegeschehen sowie der zweite und dritte Lockdown zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen und gleichermaßen zu Phasen mit eingeschränktem Betrieb in Kitas. Dies spiegelt sich entsprechend wider in den Ergebnissen zu den genutzten Kommunikationskanälen von Kitas mit Eltern. 

Während im Oktober und November 2020 über 90% der Kita-Leitungen angaben, mindestens wöchentlich persönlichen Kontakt zu Eltern zu haben, ging der Anteil im Zeitraum Dezember bis April 2021 um ein Drittel auf etwa 60% zurück. Der persönliche Austausch stellt jedoch zusammen mit dem Kontakthalten über Telefongespräche, E-Mails oder Briefe weiterhin den wichtigsten Kommunikationskanal zwischen Kitas und Eltern dar.

Anteil an Videobotschaften für Familien gestiegen

Messengerdienste wie WhatsApp, selbst gedrehte Videos sowie die Nutzung sozialer Netzwerke oder Videochats (z. B. Zoom) kamen zum Austausch mit Eltern bisweilen seltener zum Einsatz. Etwa 60 bis 70% der befragten Einrichtungen gab zuletzt (Dezember 2020–April 2021) an, diese Möglichkeiten digitaler Elternarbeit nie zu nutzen. Dies änderte sich jedoch mit Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember 2020 und dem Übergang in den eingeschränkten Betrieb. Hier stieg der Anteil an Kitas die ca. monatlich selbst gedrehte Videos und Videobotschaften für Familien erstellt haben von knapp 10% auf 33%. Auch wurden mit Beginn der zweiten Pandemiewelle vermehrt Videokonferenzen über entsprechende Programme wie Skype oder Zoom für den Kontakt mit Kindern und Eltern angeboten. Auf eine leichte Zunahme in der Nutzung digitaler Kontaktformen mit Dauer der Pandemie weist auch der Vergleich zur Situation während des ersten Lockdowns hin.

Zwischen den genutzten Kommunikationsformen und Kita-Merkmalen zeigen sich nur leichte Zusammenhänge. Elterninitiativen und privatgewerbliche Einrichtungen scheinen etwas häufiger über Textnachrichten, vermutlich WhatsApp-Gruppen, und Videokonferenzen mit Eltern in Kontakt zu bleiben. Die Ergebnisse sind allerdings aufgrund kleiner Fallzahlen entsprechend vorsichtig zu interpretieren.

Neben Tür- und Angelgesprächen sind aus Elternsicht Briefe und E-Mails die wichtigsten Kommunikationswege mit KiTas

Die Ergebnisse der KiBS-Elternbefragung, welche von Anfang Februar bis Anfang März 2021 (KW 6–KW 9; 08.02.–07.03.2021) durchgeführt wurde, bestätigen die von den Kita-Leitungen genannten häufig genutzten Kommunikationsformen. Der Befragungszeitraum fiel in den allgemeinen zweiten Lockdown und in eine Phase des eingeschränkten Betriebs in der Kindertagesbetreuung. In dieser Zeit konnte in manchen Bundesländern nur ausgewählten Elterngruppen ein Betreuungsangebot gemacht werden, während viele Kinder zu Hause betreut wurden, die normalerweise ein Angebot der öffentlichen Kindertagesbetreuung nutzen. Einrichtungen und Tagespflegepersonen hielten hierbei aus Sicht der Eltern, deren Kind die KiTa zum Befragungszeitpunkt besuchte, vor allem über Tür- und Angelgespräche Kontakt. Rund 84% der Eltern hatten angegeben, dass die Einrichtung oder Tagespflege mit ihnen über diese oft spontan stattfindenden Gespräche in Verbindung blieb. Ein Großteil der befragten Eltern gab an, dass die Kindertagesbetreuung über Briefe und E-Mails Kontakt zur Familie hält. Das gilt sowohl für Eltern, deren Kind zu diesem Zeitpunkt regelmäßig in die Betreuung ging (77%), als auch für Eltern, die ihr Kind aufgrund der Coronapandemie zu Hause betreuen (77%). Für die zuletzt genannte Elterngruppe wird die Kommunikation über Briefe und E-Mails zum wichtigsten Kommunikationskanal mit den Einrichtungen oder Kindertagespflegepersonen.

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Verwendete Kommunikationsformen der Einrichtungen im Kontakt mit den Eltern aus Elternperspektive im Zeitraum von Anfang Februar bis Anfang März 2021 (KW 6–KW 9; 08.02.–07.03.2021). Elterngruppen differenziert nach der derzeit genutzten öffentlichen Betreuung des Kindes (nur Kinder mit KiTa-Platz, die normalerweise ein KiTa-Angebot nutzen). KiBS-Elternbefragung, Datenstand: 17.05.2021, ungewichtete Daten. Abbildung bezieht sich auf Angaben von n = 2.570–3.776 Eltern.

Aus Sicht beider Elterngruppen wurden digitale Kommunikationsformen wie aufgenommene Videobotschaften oder Videochats insgesamt weniger genutzt. Dennoch waren viele Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen um einen regelmäßigen Kontakt zu den Eltern und Kindern bemüht und behielten auch jene Kinder im Blick, die zu diesem Zeitpunkt aufgrund des zweiten Lockdowns nicht in ihre KiTa gehen konnten.

Im direkten Vergleich der Eltern- und Leitungsangaben hinsichtlich der verwendeten digitalen Kommunikationsmittel fällt zudem auf, dass Eltern prozentual gesehen häufiger als die Leitungen berichteten, dass nie Kontakt über digitale Kommunikationsmittel wie bspw. Videochats besteht. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Leitungen diese digitalen Kontaktwege aus ihrer Perspektive etwas häufiger anbieten, aber manche Eltern von diesen Angeboten nicht erreicht werden oder diese möglicherweise nicht immer wahrnehmen. Insgesamt fiel es den meisten Eltern (rund 81%) leicht bis sehr leicht, die aufgeführten Medien im Kontakt mit der Kindertagesbetreuung zu nutzen. Einem deutlich kleineren Anteil (6%) fiel es hingegen schwer bis sehr schwer, die genannten Kommunikationsmittel zu nutzen.

Neben den oft spontan stattfindenden oder kurzfristig geplanten Austauschformen mit Eltern über kurze Gespräche oder E-Mails bieten Kitas mehrmals im Jahr spezielle Veranstaltungen für Eltern an. Während Entwicklungsgespräche Einzelgespräche mit Eltern darstellen, in denen der Austausch über das Verhalten und den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes im Vordergrund steht, werden auf Elternabenden in der Regel Informationen und Termine für den Kita-Alltag weitergegeben sowie Möglichkeiten der Elternbeteiligung geschaffen. Informationsabende für Eltern hingegen finden häufig unter dem Fokus der Elternbildung statt und informieren über verschiedene Themen wie gesunde Ernährung bei Kindern oder spezifische Entwicklungs- und Erziehungsfragen.

Die Ergebnisse der Leitungsbefragung zeigen auch an dieser Stelle, dass Einrichtungen ihr Repertoire an Veranstaltungsformaten an die Pandemiebedingungen angepasst haben.

Wurden Entwicklungsgespräche im Herbst 2020 noch größtenteils persönlich geführt, fanden sie seit Beginn der zweiten Welle etwas häufiger telefonisch statt – ebenso wie Elternabende. Der Großteil der Einrichtungen hat seit Dezember 2020 keine Elternabende als Präsenzveranstaltung abgehalten, sondern hierfür eher das virtuelle Format, sprich eine Videokonferenz, angeboten. Informationsabende für Eltern wurden seit Herbst 2020 von nur einem sehr kleinen Teil der Kitas (rund 10%) abgehalten. Auch diese Veranstaltungen, die noch im Herbst 2020 überwiegend vor Ort durchgeführt wurden, fanden während der zweiten und dritten Pandemiewelle in virtueller Form statt. 

Werden Eltern nach ihrer Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Kooperation mit der Kindertagesbetreuung gefragt, so wird auf Basis der KiBS-Elternbefragung deutlich, dass sie seit November 2020 etwa gleichbleibend zufrieden mit der Informationsweitergabe der Kindertagesbetreuung zu aktuellen Regelungen sowie mit dem Kontakt zu den Fachkräften sind (Mittelwerte von 3,5 bis knapp 4 auf einer Skala von 1 „Überhaupt nicht zufrieden“ bis 5 „sehr zufrieden“). Eine mittlere Zufriedenheit (Mittelwert von 3) äußern sie für die derzeitigen Möglichkeiten der Elternbeteiligung. 

Es ist davon auszugehen, dass diese Beteiligung aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen und vieler nicht stattfindender Feste und Termine stark eingeschränkt möglich ist. Allerdings gaben auch Studien vor der Pandemie bereits Hinweise darauf, dass dies ein Aspekt im Kontakt mit der Kindertagesbetreuung ist, mit dem Eltern nur in mittlerem Maße zufrieden sind.