| Deutsches Jugendinstitut

6. Quartalsbericht zur Corona-KiTa-Studie

Schwerpunktthemen des letzten Quartalberichts im Jahr 2021 sind neben der Entwicklung der Impfquote in Kindertageseinrichtungen auch die Ergebnisse der COALA-Studie zum Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 in Kita-Gruppen sowie die Krankheitsverläufe von infizierten Kindern. Eine Übersicht der Highlights lesen Sie nachfolgend.

1200x630

Infektionen, Impfquote des pädagogischen Personals und Hygienemaßnahmen in Kindertageseinrichtungen

  • Der Anteil des pädagogischen Personals mit mindestens einer Impfung gegen SARS-CoV-2 steigt nach den Daten des KiTa-Registers weiterhin kontinuierlich und liegt in KW 48 (29.11.–05.12.2021) bei 90,3%.
  • Der Unterschied in den Impfquoten zwischen Ost- und Westdeutschland nimmt nach den Daten des KiTa-Registers tendenziell weiter ab. In der KW 48 (29.11.–05.12.2021) beträgt der Ost-West-Unterschied noch 10,4 Prozentpunkte (12,7 Prozentpunkte in der KW 41; 11.10.–17.10.2021).
  • Im Verlauf des aktuellen Berichtszeitraums von KW 42 bis KW 48 (18.10.–05.12.2021) ist auf der Ebene der Bundesländer ein sich verstärkender Zusammenhang zwischen einer hohen Impfquote des Personals in den Einrichtungen und einem niedrigen Anteil des coronabedingt nicht oder nur mittelbar einsetzbaren Personals erkennbar.

Modul COALA: In Kitas können sowohl Kinder als auch Beschäftigte eine Rolle bei dem Infektionsgeschehen spielen

  • Im Modul IV COALA (Corona – anlassbezogene Untersuchungen in Kitas) wurden 30 SARS-CoV-2-Ausbrüche in Kitas mit mindestens einem laborbestätigten SARS-CoV-2-Fall aus neun Bundesländern zwischen Oktober 2020 und Juni 2021 untersucht. In die Analysen gingen die Labor- und Befragungsdaten von insgesamt 421 Kindern und 522 Erwachsenen ein.
  • In den 30 untersuchten Kitas war das Infektionsgeschehen sehr unterschiedlich. Innerhalb der meisten Kita-Gruppen kamen keine Übertragungen von SARS-CoV-2 vor, jedoch erfolgten in einigen Kita-Gruppen zahlreiche Ansteckungen bei engen Kontaktpersonen (sogenannte Sekundärfälle).
  • Die gemeinsame Analyse der Daten aus allen Kita-Gruppen ergab eine gepoolte sekundäre Infektionsrate (SIR) von 9,6%, d. h., in einer Kita-Gruppe, in der zehn Personen zusammenkommen, steckt eine infizierte Person durchschnittlich etwa eine Person aus der Gruppe an. Von infizierten Kita-Kindern und Kita-Beschäftigten geht ein ähnlich hohes Übertragungsrisiko aus. Unter den Kontaktpersonen der untersuchten Kitas haben sich Kinder deutlich seltener angesteckt als Erwachsene. Die sekundäre Infektionsrate in den Haushalten war mit 53,3% deutlich höher als in den Kitas.
  • In den in der COALA-Studie untersuchten Ausbrüchen in Kitas war die sekundäre Infektionsrate durch die Alpha-Variante höher als durch den Wildtyp oder anderen Varianten, die als nicht besorgniserregend eingestuft werden.
  • Infizierte Kinder im Kita-Alter haben meist milde Krankheitsverläufe. Etwa ein Drittel der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Kita-Kinder war asymptomatisch. Symptomatische Kinder hatten durchschnittlich wenige Symptome. Schnupfen war dabei das häufigste Symptom. Tendenziell zeigen die hier einbezogenen Kinder im Vergleich mit den Erwachsenen eine kürzere Zeitdauer bis zur negativen PCR-Testung (schnellere virale Clearance, also „Virusfreiheit“).

Modul CoKiss: Ergebnisse zu Familienbildung und -unterstützung in Zeiten der Coronapandemie

  • Bei weit über der Hälfte der befragten Eltern bestand kein Unterstützungs- oder Hilfebedarf im Zuge der Pandemie. 97% der Befragten äußerten beispielsweise keinen Bedarf nach einer Beratung durch das Jugendamt und es erfolgte auch keine Nutzung eines Angebots durch das Jugendamt. Wenn Eltern ein familienunterstützendes Angebot im Zuge der Pandemie in Anspruch nahmen, dann vor allem eine Beratung durch die Kindertageseinrichtung oder Kindertagespflegestelle (16% der Eltern berichteten dies).
  • Wurde vor dem Ausbruch der Pandemie ein familienunterstützendes Angebot in Anspruch genommen, erhöhte dies bei den Eltern häufig den Wunsch, über weitere Angebote (z. B. über Elterntreffs, Elterncafés oder unterschiedliche Beratungsmöglichkeiten) informiert zu werden. Wurde damals eines der Angebote genutzt, verringerte dies die Hemmschwelle, auch während der Pandemie Unterstützung und Hilfe anzunehmen und begünstigte zudem eine Inanspruchnahme in der aktuellen Situation.

Modul KiTa-Register: Ergebnisse zu den derzeitigen Betreuungskapazitäten

  • SARS-CoV-2-Infektionen und Verdachtsfälle sowie infektionsbedingte Schließungen nehmen im aktuellen Berichtszeitraum KW 42 bis KW 48 (18.10.–15.12.2021) bei Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege deutlich zu.
  • Trotz der Pandmielage im aktuellen Berichtszeitraum (KW 42 bis 48; 18.10.–05.12.2021) steigen die Inanspruchnahmequote und der Anteil des eingesetzten Personals leicht an. Die Auslastung der Kindertageseinrichtungen liegt bundesweit bei einem Wert von ca. 84% in der KW 48 (29.11.–05.12.2021) im Vergleich zu 81% in der KW 41 (11.10.–17.10.2021). Der Anteil des unmittelbar am Kind eingesetzten Personals steigt leicht von 82% in KW 41 auf 83% in der KW 48. Der Anteil des coronabedingt nicht oder nur mittelbar einsetzbaren Personals nimmt ebenfalls zu und liegt in der KW 48 bei 7%.
  • Die Inanspruchnahmequote in der Kindertagespflege steigt ebenfalls etwas an. Die Auslastung der Kindertagespflegestellen erreicht bundesweit einen Wert von 87% in der KW 48 (29.11.–05.12.2021) im Vergleich zu 83% in KW 41 (11.10.–17.10.2021). Die Werte der gemeldeten SARS-CoV-2-Infektions- und Verdachtsfälle (bei der Kindertagespflegeperson selbst, Mitgliedern ihres Haushaltes, bei den betreuten Kindern oder deren Eltern) sowie der Anteil der infektionsbedingt geschlossenen Kindertagespflegestellen steigen allerdings ebenfalls deutlich an (ca. 2% Infektionsfälle, rund 8% Verdachtsfälle und knapp 3% geschlossene Kindertagespflegestellen  in der KW 48; 29.11.–05.12.2021).
  • Trotz des starken Anstiegs der berichteten Infektionen innerhalb der Einrichtungen und der hohen lokalen 7-Tage-Inzidenzen, nimmt die Inanspruchnahmequote leicht zu und die Werte beim Personaleinsatz bleiben stabil. Dies spricht dafür, dass die KiTas einen zunehmend routinierten Umgang mit den Herausforderungen der Pandemie pflegen (z. B. durch Schließungen von Gruppen statt ganzer Einrichtungen). Ebenso haben die Corona-Schutzimpfungen einen deutlichen Effekt – auch wenn dieser regional unterschiedlich ausfällt.

Modul CATS: Ergebnisse aus den Surveillancesystemen des RKI

  • Nachdem die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren seit September 2021 deutlich höher war als in den Jahren vor Beginn der Pandemie, lag sie Anfang Dezember 2021 mit wöchentlich rund 766.000 geschätzten ARE zwar wieder leicht unter dem Niveau von 2016–2019, war damit aber etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr 2020. Seit etwa Mai 2021 war der Anteil der Kinder, die mit einer ARE zu Hause blieben, im Schnitt etwa 20–30%-Punkte höher als in den Jahren 2016-2019.
  • Fast gegenläufig zum Verlauf aller ARE nahm die Melde-Inzidenz von Kindern mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Alter von 0 bis 5 Jahren seit Mitte Oktober 2021 sehr rasch zu und erzielte Anfang Dezember die für diese Altersgruppe seit Beginn der Pandemie bis dahin höchsten Werte (KW 48; 29.11.–05.12.2021: 347/100.000). Die Inzidenz der Kinder im Grundschulalter und die der Jugendlichen war im Vergleich dazu etwa 2- bis 3-mal höher. Der Anteil der 0- bis 5-jährigen Fälle an allen Meldefällen lag in KW 48 mit 4,4% unter ihrem Bevölkerungsanteil von 5,7%.
  • Ähnlich dem Verlauf der Melde-Inzidenz stieg auch der Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren von 5% (Mitte Oktober 2021) auf 15% (Anfang Dezember 2021) an. Die Positivanteile der älteren Kinder befanden sich zum gleichen Zeitpunkt mit 24% bei den 6- bis 10-Jährigen und mit 36% bei den 11- bis 14-Jährigen auf einem noch deutlich höheren Niveau.
  • Die Zahl der hospitalisierten COVID-19-Fälle unter den 0- bis 5-jährigen Fällen nahm seit Mitte Oktober 2021 wieder zu. Gleichzeitig ging der Anteil der hospitalisierten 0- bis 5-Jährigen unter den gemeldeten COVID-19-Fällen in dieser Altersgruppe von etwa 3,0% (Mitte Oktober 2021) auf etwa 2,0% (Mitte November 2021) zurück. Insgesamt ist die Zahl der im bisherigen Pandemieverlauf hospitalisierten Kinder mit einer SARS-CoV-2-Infektion im Alter von 0 bis 5 Jahren mit rund 4.250 Fällen (2,6%) im Vergleich zu anderen Altersgruppen klein.
  • Die Zahl an übermittelten Kita-/Hort-Ausbrüchen nahm von Anfang Oktober bis Mitte November 2021 wieder deutlich zu. Im Vergleich zum Vorjahr wurden Mitte November 2021 rund 3-mal mehr Ausbrüche übermittelt. Auch der Anteil der 0- bis 5-Jährigen an allen Kita-Ausbruchsfällen stieg wieder an, von etwa 48% (Ende Oktober 2021) auf etwa 56% (Anfang Dezember 2021), möglicherweise auch bedingt durch die zunehmende Boosterung des Kita-Personals.